Arbeit mit visuellen GFK-Bodenankern

Visuelle GFK Bodenanker helfen uns, präsent und bewusst zu bleiben, indem sie uns dabei unterstützen, unsere Gefühle, Bedürfnisse und Gedanken zu identifizieren und besser zu verstehen.

Visuelle bodenanker

GFK-Bodenanker sind Karten für die vier Schritte der GFK, die du auf den Boden legst und auf denen du nacheinander stehst. Das aufrechte Stehen und das langsame Gehen von Feld zu Feld helfen dir, präsent zu bleiben und dein inneres Durcheinander zu ordnen: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte werden nacheinander greifbar. So kommst du aus dem Gedankenkarussell zurück zu dem, worum es dir eigentlich geht.

„… und plötzlich ist da nur noch irgendein Gefühl. Und irgendwelche Gedanken. Ich weiß nur, dass es mir schlecht geht. Alles scheint sich in mir im Kreis zu drehen. Im Grunde bin ich gar nicht wirklich da. Und es fällt mir unendlich schwer, da wieder rauszukommen. Eigentlich komme ich nur raus, indem ich mich ablenke. Oder betäube. Irgendwann ist es vorbei. Bis mich wieder irgendwas triggert …“

Der Sinn von Bodenankern

Ein Anker hält etwas an Ort und Stelle, das sonst von anderen Kräften fortbewegt würde. So ist es auch mit den bunten Kärtchen, die wir Bodenanker nennen. Nur sind es hier keine Wasserströme, sondern die Ströme unseres Geistes: Gedanken und Gefühle, Worte und Wendungen. Wenn diese Wässer wild sind, oder wir selbst am Rand unserer Kräfte, dann werden wir leicht von unseren Emotionen und gewohnten Gedanken mitgerissen. Und manchmal wachen wir hinterher wie aus einem Film auf und fragen uns, was wir da schon wieder getan haben.

Wie schön wäre es, wenn wir unsere geistig-emotionalen Ströme zwar wahrnehmen, zugleich aber ruhig an Ort und Stelle verharren könnten. Genau dabei helfen die Bodenanker.

Wie Bodenanker funktionieren

Kurz gesagt helfen Bodenanker dir, präsent und bewusst zu bleiben. Sie helfen dir, die einzelnen Aspekte des Stroms in dir zu identifizieren. Und sind sie einmal identifiziert, bist du nicht mehr mit ihnen identifiziert.

Das leisten im Grunde schon die vier Aspekte der GFK allein. Die Bodenanker bringen dich durch das aufrechte Stehen im Raum zusätzlich in einen Zustand bewusster Präsenz. Die vier Karten fokussieren als visuelle Inputs deine Aufmerksamkeit. Das Bewegen im Raum braucht mehr Zeit als ein Gedankensprung und entschleunigt dadurch automatisch. So schält sich aus dem inneren Kuddelmuddel nach und nach ein Bewusstsein heraus, das den Überblick hat und dich bewusst handeln lässt.

Einsatzbereiche

Bodenanker kannst du zu vielen Gelegenheiten nutzen:

  • Zur einfachen oder tieferen Selbstklärung.
  • Um im aufrichtigen Selbstausdruck klar zu bleiben.
  • Um beim empathischen Zuhören präsent und beim anderen zu bleiben.
  • Auch zu zweit, um beiden bewusst zu machen, wovon gerade gesprochen wird und wer gerade die Aufmerksamkeit hat.

Wie du solche Prozesse auch in einer Gruppe anleitest, zeigt dir der Artikel Moderation ist die Kunst, die richtigen Fragen zu stellen.

Im Folgenden zeige ich dir die Nutzung für dich selbst, zur einfachen Selbstklärung.

GFK-Bodenanker zur Selbstklärung

Diese Anleitung bezieht sich auf die großen A4-Anker. Du kannst sie genauso online nachvollziehen, indem du die Anker als kleine Kärtchen vor dir auf dem Tisch ausbreitest und eine Spielfigur über die Anker laufen lässt.

GFK-Bodenanker im Einsatz
  1. Leg die vier Karten mit den vier Aspekten der GFK vor dich auf den Boden: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte. Gern auch noch die „Wolfsshow“, wo all deine urteilenden Gedanken ihren rechtmäßigen Platz finden.
  2. Steig mit dem ein, was gerade präsent ist. Normalerweise ist das ein intensives Gefühl oder ein urteilender Gedanke. Stell dich auf das entsprechende Feld. Das aufrechte Stehen hilft dir, präsent zu bleiben, das bewusste Bewegen, deine Aufmerksamkeit auszurichten.
  3. Registriere, was da ist. Konzentrier dich auf den einen Aspekt des Feldes, auf dem du stehst. Bleib eine Weile stehen, auch wenn du die Tendenz hast, schnell weiterzugehen. Atme ein paarmal tief durch und erlaube dir, dass sich das Durcheinander ordnet.
  4. Finde heraus, was der eine konkrete Auslöser war. Sicher ist da noch mehr im Hintergrund, aber was genau hat deinen Zustand ausgelöst? Trenne die faktische Beobachtung von deinen Interpretationen. Kommen Interpretationen hoch, geh auf das Feld „Wolfsshow“ und äußere sie dort.
  5. Vielleicht hat sich schon etwas geändert, weil du eine faktische Beobachtung formulieren konntest. Geh auf das Feld „Gefühle“ und spür nach. Vielleicht bekommst du von hier aus eine Ahnung, worum es dir im Grunde geht. Dann geh auf das Feld „Bedürfnisse“.
  6. Sind die Interpretationen noch am präsentesten, geh auf die „Wolfsshow“ und führ dir deine Urteile genau vor Augen. Mit der Umkehrmethode geht dir vielleicht auf, worum es dir geht. Dann geh auf das Feld „Bedürfnisse“.
  7. Auf dem Feld „Bedürfnisse“ frag dich, worum es dir bezogen auf den Auslöser eigentlich geht. Nimm Auslöser und Gefühl als Anhaltspunkte: Wonach sehnst du dich in dieser Situation?
  8. Spürst du eine Veränderung, wenn dir klar wird, was du vermisst, geh zurück auf das Feld „Gefühle“.
  9. Beweg dich weiter über die Felder, wie es dir kommt.
  10. Irgendwann wird dir immer klarer, worum es dir geht. Du wirst dich entspannter fühlen und mit neuer innerer Klarheit auf dem Feld „Bedürfnisse“ zur Ruhe kommen. Verweil hier. Selbst wenn noch Schmerz da ist, machst du vielleicht die Erfahrung, dass die Verbundenheit mit dem, was dir wichtig ist, größer ist als das Gefühl.
  11. Vielleicht, und das ist kein Muss, hast du einen Impuls, worum du dich selbst oder jemand anderen bitten magst. Formulier diese Bitte. Kommt ein Nein, erinnere dich daran, dass es dir um die Erfüllung deines Bedürfnisses geht und nicht um die eine Idee, die dir zuerst eingefallen ist. Kehr dann auf das Feld „Bedürfnisse“ zurück und verbinde dich neu.

Hier kannst du die Bodenanker für zuhause herunterladen.

Zum Weiterlesen

Welche vier Aspekte du auf die Felder legst, erklärt der Artikel zu den vier Schritten der GFK. Warum das Feld „Gefühle“ so eng am Feld „Bedürfnisse“ liegt, steht im Text über Gefühle und Bedürfnisse. Und wie die „Wolfsshow“ und die Umkehrmethode funktionieren, zeigt der Artikel Urteile in Bedürfnisse umwandeln.

Markus Castro, CNVC-zertifizierter Trainer für Gewaltfreie Kommunikation, Impact Institut

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