Dominante Kollegen im Meeting: Wie du Raum für alle schaffst

Ein Timer steht im Vordergrund eines Meetings mit unscharfen Teilnehmenden.

Wenn eine Person im Meeting dauernd spricht, werden die anderen selten durch einen Appell an Fairness hörbar. Wirksamer ist eine Struktur, die Redezeit und Beiträge sichtbar verteilt.

Das entlastet auch die dominante Person. Sie muss dann nicht erraten, wann sie stoppen soll. Der Rahmen macht klar, wie das Gespräch läuft.

Den Ablauf vorab festlegen

Für strittige Themen eignet sich eine einfache Reihenfolge: Erst sammeln alle ihre Punkte schriftlich. Dann kommt eine kurze Runde, in der jede Person einmal spricht. Erst danach beginnt die Diskussion.

Eine Timebox hilft dabei. Zum Beispiel zwei Minuten pro Beitrag, eine sichtbare Uhr und eine Person, die auf die Zeit achtet. Das ist keine Bürokratie um der Bürokratie willen. Es schützt die stilleren Stimmen davor, im ersten Schlagabtausch unterzugehen.

Den Moment im Meeting unterbrechen

Du musst niemanden diagnostizieren oder kleinmachen. Benenne den Ablauf und übernimm die Moderation.

„Ich stoppe kurz. Wir hatten vereinbart, dass jede Person erst ihre Sicht sagt. Danach können wir darauf eingehen.“

Oder:

„Ich notiere deinen Punkt. Jetzt möchte ich erst die Stimmen hören, die noch nicht dran waren.“

Wichtig ist der Ton: sachlich, kurz und wiederholbar. Lange Rechtfertigungen laden zu einer Grundsatzdebatte darüber ein, wer eigentlich zu viel redet.

Nicht nur eine Person zum Problem machen

Manchmal dominiert eine Person, weil das Meeting kein klares Ziel, keine Rollen und keine Entscheidungsmethode hat. Dann entsteht Raum für diejenigen, die schnell denken, laut sprechen oder den informellen Status haben.

Prüft deshalb den Rahmen:

  • Was soll am Ende entschieden oder gesammelt sein?
  • Wer moderiert und wer hält die Zeit im Blick?
  • Wann wird diskutiert und wann erst einmal zugehört?
  • Wie wird die Entscheidung dokumentiert?

Wenn diese Fragen geklärt sind, wird es leichter, Verhalten anzusprechen, ohne einzelne Menschen bloßzustellen.

Ein kurzes Gespräch unter vier Augen

Wenn das Muster trotz klarer Struktur bleibt, kann ein Gespräch nach dem Meeting sinnvoll sein. Bleib bei der Wirkung.

„Mir ist aufgefallen, dass in den letzten Runden mehrere Kolleginnen und Kollegen nicht zu Wort kamen. Ich möchte künftig darauf achten, dass alle ihre Einschätzung einbringen können. Hilfst du mir dabei, nach deinem ersten Punkt erst einmal Raum zu lassen?“

Das ist konkreter als „Du bist zu dominant“. Es gibt dem Gegenüber die Chance, sein Verhalten zu ändern, ohne das Gesicht zu verlieren.

Mehr zu klaren Gesprächsrahmen findest du in Konfliktgespräche moderieren, Entscheidungen im Team und hitzige Diskussionen moderieren.

Über Markus Castro

Markus Castro begleitet Teams und Führungskräfte dabei, Konflikte und Entscheidungen so zu strukturieren, dass tragfähige Ergebnisse entstehen.

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