Mediation ist ein strukturiertes Gespräch zwischen Konfliktparteien, begleitet von einer neutralen dritten Person. Die Mediatorin urteilt nicht, verteilt keine Schuld und liefert keine fertige Lösung. Sie verlangsamt das Gespräch so weit, dass hörbar wird, worum es eigentlich geht; die Lösungen entstehen aus den Beteiligten selbst. Ein Happy End verspricht eine seriöse Mediation nicht. Ihr ehrliches Ergebnis heißt Klarheit.
Sie drehen sich immer wieder im Kreis, wenn Sie streiten? Sie sind kreativ im Vermeiden von Auseinandersetzungen? Oder es hat schon richtig gekracht, und wenn Sie ehrlich sind, wissen Sie nicht einmal genau, worüber eigentlich?
Ein Satz begegnet mir in Mediationen immer wieder, in verschiedenen Kostümen: „Der Streit kam aus dem Nichts.“ Manchmal heißt er auch: „Ich schwöre, ich habe keine Schuld!“
Ich nehme diesen Satz ernst. So fühlt es sich an, wenn es knallt: plötzlich, grundlos, wie aus heiterem Himmel. Und gleichzeitig habe ich in noch keiner Mediation ein echtes Nichts gefunden.
Woher der Streit wirklich kommt
Kein Streit kommt aus dem Nichts. Er kommt aus dem Ungesagten.
Aus der Grenze, die nie ausgesprochen wurde, weil „das doch jeder mit gesundem Menschenverstand weiß“. Aus dem Ärger, der runtergeschluckt wurde, wieder und wieder, bis er sich nicht mehr schlucken ließ. Aus dem Schweigen, das über Monate oder Jahre eingefroren ist, während nach außen alles normal aussah.
Der Knall ist dann nur der Moment, in dem das Schweigen hörbar wird. Für die eine Seite kommt er aus dem Nichts. Die andere trägt oft schon lange etwas mit sich herum, das nie auf den Tisch durfte.
Warum wir das Wichtigste nicht sagen
Wenn das Ungesagte so viel Schaden anrichtet: Warum sagen wir es dann nicht einfach?
Ich vermute, aus einem sehr menschlichen Grund: Wer zugibt, beteiligt zu sein, fürchtet das Urteil. Also verhandeln wir Konflikte wie vor Gericht. Es gibt Schuldige und Unschuldige, beschworen wird die eigene Unschuld, und gewartet wird auf einen Richter, der dem anderen endlich die Schuld gibt.
In meinen Mediationen sitzt kein Richter. Denn Anteil ist etwas anderes als Schuld. Schuld ist ein Urteil. Anteil ist eine Beschreibung: Das habe ich beigetragen, das habe ich nicht gesagt, so hat es beim anderen gewirkt. Wer den eigenen Anteil ansehen darf, ohne dafür verurteilt zu werden, kann etwas verändern. Solange Schuld im Raum steht, muss jeder leugnen, und alles bleibt, wie es ist.
Ich sage das übrigens nicht von oben herab. Die Schuld-Brille trage ich selbst, sie ist mir bestens vertraut, und ich lege sie bis heute immer wieder neu ab. Genau deshalb weiß ich, wie viel Übung das braucht – und dass es geht.
Was in einer Mediation passiert
Sie müssen dafür nichts vorbereiten und nichts können. Sie kommen und sprechen, wie Sie kommen und sprechen. Alles andere machen wir gemeinsam.
Konkret heißt das: Ich entschleunige das Gespräch. Jede Seite redet aus, die andere hört zu, und zwar wirklich, ohne nebenbei die eigene Antwort vorzubereiten. Ich frage nach und vermute laut, was hinter einem Vorwurf an Bedürfnissen stecken könnte. Meine Vermutungen sind dabei Angebote, keine Diagnosen: Sie prüfen, ob es stimmt – „Ist dem so?“ –, und Ihr Nein ist genauso willkommen wie Ihr Ja. Stück für Stück schälen wir heraus, worum es eigentlich geht. Das ist selten das, worüber gestritten wurde, und das Verhalten im Streit war vielleicht, nun ja, sagen wir mal: etwas ungelenk. Die Beweggründe dahinter sind es fast nie.
So bekommt das Ungesagte einen Ort, an dem es gesagt werden kann, ohne dass jemand dafür verurteilt wird. So entsteht eine Brücke über die Kluft, die verletzende Worte gerissen haben.
Was oft mit Mediation verwechselt wird
Vor Gericht entscheidet am Ende jemand, wer recht bekommt. Bei einer Schlichtung schlägt die Schlichtungsperson eine Lösung vor, die Sie annehmen oder ablehnen können. Eine Therapie behandelt seelische Verletzungen und braucht dafür einen eigenen Rahmen. Mediation arbeitet anders: Es gibt kein Urteil, keinen fertigen Vorschlag von außen und keine Behandlung. Sie ist ein Verfahren, in dem Sie selbst wieder verhandlungsfähig werden. Die Lösung, die am Ende steht, haben Sie gebaut. Deshalb trägt sie.
Was ich Ihnen nicht verspreche
Ein Happy End. Das mag aus dem Mund einer Mediatorin ernüchternd klingen, und es ist mir wichtig: Nicht jede Mediation endet mit Versöhnung.
Was eine Mediation ehrlicherweise leisten kann, ist Klarheit. Manchmal ist das die Klarheit, dass Sie wieder miteinander können. Manchmal ist es die Klarheit, worum es dem anderen die ganze Zeit ging. Und manchmal ist es die Klarheit, dass Ihr Gegenüber im Moment nicht anders kann – auch das entlastet, denn dann müssen Sie nicht länger auf etwas warten, das nicht kommt. Vieles davon wirkt übrigens erst Wochen später weiter, wenn das Gesagte sich gesetzt hat. Aus dieser Klarheit entstehen Lösungen aus Ihren eigenen Ressourcen. Und manchmal sogar wieder echter Kontakt.
Wann Mediation nicht der richtige Ort ist
Mediation ist Konfliktklärung und ersetzt keine Therapie. Wenn im Prozess sichtbar wird, dass eine Seite gerade mehr braucht, als ein Mediationsraum tragen kann, oder wenn strafrechtliche Dinge im Spiel sind, benenne ich das offen. Auf Wunsch gebe ich Ihnen dann Adressen an die Hand, an die Sie sich wenden können. Ob Sie das möchten, entscheiden Sie.
Wie eine Mediation abläuft
Sie melden sich telefonisch oder per Mail. Danach führe ich mit allen Beteiligten getrennte Vorgespräche von etwa zehn Minuten, telefonisch oder online. Dann folgt das Herzstück: die eigentliche Mediationssitzung. Zeigt sich am Ende, dass es noch weitere Zeit braucht, vereinbaren wir unkompliziert einen Folgetermin. Über die Vergütung sprechen wir offen; wenn Sie eine finanzielle Enge wahrnehmen, sagen Sie es.
Ob eine Mediation das Richtige für Ihre Situation ist, müssen Sie jetzt nicht allein entscheiden. Melden Sie sich, stellen Sie mir Ihre Fragen, seien Sie kritisch. Gemeinsam prüfen wir, was sinnvoll ist.
Zum Weiterlesen
Wenn Sie unsicher sind, welcher Rahmen zu Ihrer Lage passt, hilft Mediation, Coaching oder Therapie: was passt? bei der Einordnung. Warum zu Hause womöglich immer derselbe Konflikt zurückkommt, beleuchtet Warum führen wir immer denselben Streit?, und wenn es regelmäßig laut wird, lohnt ein Blick in Warum eskaliert jeder Streit bei uns?. Für den Alltag zwischen zwei Terminen: Wie streiten wir fair?.
Simone Neumann



