Warum Kommunikationstrainings verpuffen

Es gibt zwei Sorten Wiedersehen, wenn wir ein halbes Jahr nach einem Training wieder in eine Firma kommen. Bei der einen begrüßt uns jemand mit einem Satz wie „Die Feedback-Minute machen wir immer noch, und neulich hat der Chef zum ersten Mal gefragt, was er anders machen soll.“ Bei der anderen hängt im Flur noch das Flipchart-Foto, alle nicken freundlich, und in der ersten Besprechung reden drei Leute durcheinander, während die vierte aufs Handy schaut. Gleiche Trainerin, gleiches Konzept, gleiche Begeisterung am letzten Seminartag. Der Unterschied ist woanders entstanden.

Wir verdienen unser Geld übrigens mit Trainings. Das Geschäftsmodell wäre bequemer, wenn dieser Artikel nicht stimmen würde, er stimmt trotzdem.

Die Verpuffung passiert nicht im Seminarraum

Das Training selbst ist fast nie das Problem. Menschen üben zwei Tage lang, sind berührt, nehmen sich Dinge vor, und das ist echt, keine Seminarromantik. Ein Training verpufft am ersten Montag danach, wenn die Meetings laufen wie immer und der Chef der Erste ist, der keine Zeit hat. Der Vorsatz trifft auf einen Alltag, der exakt so gebaut ist wie vorher, und in diesem Duell gewinnt der Alltag, jedes Mal. Nach zwei Wochen fühlt sich das Gelernte an wie der Vokabelschatz aus dem Spanisch-Volkshochschulkurs von 2019: war da mal was.

Das ist keine Charakterschwäche der Teilnehmenden, es ist Physik. Verhalten folgt Umgebung, und wer die Umgebung nicht anfasst, trainiert gegen sie an.

Die drei Gründe, in absteigender Häufigkeit

Erstens: Die Führung übt nicht mit. Teams kalibrieren ihr Verhalten an dem, was oben vorgelebt und belohnt wird, nicht an dem, was im Seminar stand. Wenn die Mannschaft lernt, Einwände offen anzusprechen, und der Bereichsleiter beim ersten Einwand die Augenbraue hochzieht, ist die Lektion nach einer Sekunde gelöscht und durch eine ältere ersetzt: Vorsicht. Das Wirksamste nach einem Training ist eine Führungskraft, die sichtbar selbst übt, mit eigenen Fehlern und eigenen Lernfeldern. Das Zweitwirksamste sind feste Übungsanlässe. Ein neues Feedback-Tool ist keins von beidem.

Zweitens: Es gibt keine Anlässe. Eine Fähigkeit, für die der Kalender keinen Ort vorsieht, verkümmert. Wenn nach dem Training kein Meeting anders aufgebaut ist, keine Feedback-Routine existiert und kein Gefäß, in dem echte Fälle besprochen werden, dann gibt es schlicht keinen Moment, in dem das Neue drankäme. Gewohnheiten brauchen Termine.

Drittens: Der Auftrag war eine Symptombehandlung. Manchmal wird ein Kommunikationstraining gebucht, weil zwei Abteilungen sich seit Jahren belauern, weil Zuständigkeiten ungeklärt sind oder weil eine Führungskraft ein Problem ist, das niemand anfassen will. Dann sollen zwei Seminartage etwas lösen, das kein Sprachproblem ist, und das können sie nicht. Die Teilnehmenden spüren die Schieflage übrigens sofort, sie sitzen im Raum und denken den ganzen Tag an das, worüber nicht gesprochen wird.

Was stattdessen wirkt

Die unbequeme Antwort ist dasselbe Training, eingebettet statt freigestellt. Vorher eine ehrliche Auftragsklärung, bei der auch herauskommen darf, dass es gar kein Training braucht, sondern eine Konfliktklärung oder eine Strukturentscheidung. Die Führung zuerst und über Monate, in der Rolle der ersten Übenden statt der Schirmherrin. Feste Gefäße im Alltag, in denen das Neue wiederkehrt, bis es Gewohnheit ist. Und ein Blick nach drei Monaten auf das Verhalten statt auf den Feedbackbogen.

Das dauert länger, kostet mehr Geduld und lässt sich schlechter in eine Beschaffungslogik pressen als „zwei Tage, alle durchschulen“. Es hat dafür die lästige Eigenschaft, zu funktionieren.

Und falls du gerade die Mitarbeiterin bist, die zum dritten Mal in ein Training geschickt wird, während oben alles bleibt, wie es ist: Dein Zynismus ist kein Defekt, er ist eine akkurate Beobachtung. Nimm aus dem Training trotzdem mit, was dir persönlich nützt, das Zuhören, die klareren Bitten, das gehört dir und funktioniert auch in einer Umgebung, die nicht mitspielt. Nur die Kultur, die rettest du allein nicht, und das war auch nie dein Auftrag.

Wir jedenfalls haben aufgehört, Trainings zu verkaufen, die wir für Verpuffung halten. Das kostet gelegentlich einen Auftrag und erspart allen Beteiligten das zweite Flipchart-Foto im Flur.

Für den Alltag danach

Übungsformat: die Empathische Zeit

Das Übungsformat Empathische Zeit als PDF. Ein festes Gefäß, in dem das Gelernte nach dem Training regelmäßig drankommt, statt zu verkümmern.

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Zum Weiterlesen

Wie der eingebettete Weg im Großen aussieht, steht in Kulturwandel im Unternehmen. Warum alles an der Führung hängt, konkretisiert Feedbackkultur aufbauen, und was der Einzelne unabhängig von der Umgebung mitnehmen kann, zeigt GFK im Beruf. Wie Anerkennung klingt, die nicht verpufft, steht in Wertschätzende Kommunikation im Team.

Wenn ihr vor der Entscheidung über ein Training steht: Das Erstgespräch ist kostenlos, und die Auftragsklärung darin ist ehrlich, notfalls gegen unseren Umsatz.

Markus Castro, Kommunikationstrainer (CNVC-zertifiziert), Impact Institut

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