Moderationsarten sortierst du am besten nach dem Zweck der Runde: Themen und Ideen sammeln (Kartenabfrage, Zurufmoderation, Metaplan), gemeinsam etwas erarbeiten (Workshop-Moderation), einen Konflikt klären (Konfliktmoderation) oder eine Entscheidung herbeiführen (Entscheidungsmoderation, etwa mit Systemischem Konsensieren). Welche Art passt, hängt an einer Frage, die vor jeder Methodenwahl kommt: Soll die Runde informiert werden, sollen Meinungen auf den Tisch, oder soll am Ende etwas entschieden sein?
Die Frage hinter dem Meeting kommt vor der Methode
Die meisten zähen Meetings haben kein Methodenproblem, sie haben ein ungeklärtes Ziel. Da diskutiert ein Team vierzig Minuten über den Umzug ins neue Büro, die Stimmung kippt langsam, und irgendwann sagt die Chefin: „Moment, ich wollte euch eigentlich nur informieren, entschieden ist das schon.“ Vierzig Minuten Diskussion für eine Durchsage. Oder umgekehrt: Alle sagen brav ihre Meinung, die Runde endet freundlich, und drei Wochen später fragt jemand: „Und wer macht das jetzt eigentlich?“
Deshalb lohnt es sich wenig, Moderationsarten wie Vokabeln zu lernen. Kläre zuerst, was die Runde soll, und die passende Art ergibt sich fast von selbst. Der Satz dafür ist unspektakulär und fällt in den meisten Teams trotzdem nie: „Was soll am Ende dieser Stunde anders sein als jetzt?“
Kartenabfrage, Zuruf und Metaplan: sammeln und sortieren
Wenn viele Sichtweisen im Raum sind und du erst einmal einen Überblick brauchst, ist Sammeln die Aufgabe. Bei der Kartenabfrage schreibt jede Person ihre Punkte auf Karten, die Moderation sortiert sie gemeinsam mit der Gruppe an der Wand zu Themenblöcken. Das dauert länger als Zuruf und hat einen entscheidenden Vorteil: Auch die Leisen kommen vor, und niemand kann ein Thema kleinreden, bevor es überhaupt hängt. Die Zurufmoderation ist die schnelle Schwester, die Gruppe ruft, du schreibst mit. Das funktioniert gut bei unstrittigen Fragen und wird dünn, sobald es politisch wird, denn dann sammelst du vor allem die Meinungen der Lauten.
Beide Formen enden mit einem sortierten Bild und ohne Beschluss. Das ist kein Mangel, das ist ihr Zweck. Wer nach einer Kartenabfrage fragt „Und was machen wir jetzt?“, hat die nächste Moderationsart vor sich.
Workshop-Moderation: erarbeiten
Ein Workshop will mehr als ein Stimmungsbild, am Ende soll etwas Brauchbares stehen: ein Konzept, ein Maßnahmenplan, eine überarbeitete Zusammenarbeit. Dafür baust du als Moderatorin einen Bogen über mehrere Arbeitsphasen, vom Ankommen über das Sammeln und Verdichten bis zur Vereinbarung, wer was bis wann tut. Die Kunst liegt weniger in den einzelnen Methoden als im Übergang: Eine Gruppe, die noch Ideen produziert, verträgt keine Bewertung, und eine Gruppe, die längst entscheiden will, quälst du mit der dritten Kreativübung. Was Moderation grundsätzlich braucht, von der Rollenklärung bis zum Aushalten, steht ausführlicher in Moderation lernen.
Konfliktmoderation: erst verstehen, dann verhandeln
Wenn es zwischen Menschen knirscht, hilft keine Kartenabfrage der Welt. Die Konfliktmoderation ist ein eigenes Handwerk mit umgekehrter Reihenfolge: Erst sorgt die Moderation dafür, dass die Beteiligten einander verstehen, dann wird an Lösungen gearbeitet. In jedem Konflikt geht es neben der Sache auch darum, sich gegenseitig zu verstehen, und wer diesen Schritt überspringt, verhandelt Scheinlösungen, die beim nächsten Anlass wieder aufplatzen. Für die akute Situation, wenn dir eine Runde gerade hochkocht, gibt es die Sofort-Werkzeuge in Hitzige Diskussion moderieren. Und eine Grenze gilt: Sind die Fronten so verhärtet, dass Sachthemen nur noch vorgeschoben werden, braucht es professionelle Mediation und keinen Moderationsversuch mehr.
Entscheidungsmoderation: Systemisches Konsensieren
Die am meisten unterschätzte Moderationsart, weil viele glauben, Entscheiden passiere am Ende von allein. Tut es selten. Eine Entscheidungsmoderation klärt zuerst das Verfahren („Wie entscheiden wir das heute?“) und stellt dann die Entscheidungsfrage offen statt als verkleideten Vorschlag: aus „Sollen wir Überstunden machen?“ wird „Wie schaffen wir die Deadline, ohne auf dem Zahnfleisch zu gehen?“ Beim Systemischen Konsensieren misst du anschließend Widerstand statt Zustimmung: Jede Person gibt für jede Option an, wie stark sie dagegen ist, genommen wird die Option mit dem geringsten Gesamtwiderstand. Das Verfahren erklärt Was ist Systemisches Konsensieren? im Detail, die vier Handgriffe für den Meeting-Alltag stehen in Entscheidungen im Team treffen.
Woran du merkst, welche du brauchst
Frag dich vor der Runde, was am Ende anders sein soll, und hör auf die Antwort. Klingt sie wie „Alle sollen Bescheid wissen“, brauchst du keine Moderation, du brauchst eine gute Durchsage, vielleicht reicht eine Mail. Klingt sie wie „Ich will erstmal wissen, was die Leute umtreibt“, bist du beim Sammeln, also Kartenabfrage oder Zuruf. Klingt sie wie „Wir müssen da gemeinsam etwas Neues bauen“, ist es ein Workshop. Klingt sie wie „Die zwei reden nicht mehr miteinander“, ist es Konfliktmoderation, egal was auf der Einladung steht. Und klingt sie wie „Wir reden seit drei Sitzungen im Kreis“, fehlt fast immer die Entscheidungsmoderation samt geklärtem Verfahren.
Im echten Meeting mischen sich die Arten übrigens, ein Workshop enthält Sammelphasen und endet mit einer Konsensierung. Das ist normal. Wichtig bleibt, dass du in jedem Moment weißt, in welcher du gerade bist, und es der Gruppe sagst: „Wir sammeln jetzt zehn Minuten, bewertet wird danach.“
Zum Weiterlesen
Die Grundlagen des Handwerks, von der Rollenklärung bis zu den Gruppenmodi, stehen in Moderation lernen. Für die Runde, die dir morgen um die Ohren fliegen könnte, gibt es Hitzige Diskussion moderieren. Das Entscheidungshandwerk vertiefen Entscheidungen im Team treffen und der Grundlagenartikel Was ist Systemisches Konsensieren?.
Wenn du solche Runden regelmäßig leitest und das Entscheidungshandwerk von Grund auf lernen willst: Dafür gibt es unsere SK-Moderationsausbildung.
Markus Castro, CNVC-zertifizierter Trainer für Gewaltfreie Kommunikation, Impact Institut



