Konkurrenz unter Trainern ist weit verbreitet, auch in der GFK-Szene. Das ist erstmal kein moralisches Versagen. Wer von unregelmäßigen Anfragen lebt, Rechnungen bezahlen muss und den eigenen beruflichen Wert noch nicht sicher einschätzen kann, reagiert empfindlich auf eine Kollegin mit ähnlichem Angebot. Problematisch wird es, wenn wir über Fülle, Freiwilligkeit und Partnerschaft reden, unsere Arbeit aber so organisieren, als wäre jeder Auftrag der letzte freie Sitzplatz.
Ein schwierigerer Markt macht Unsicherheit plausibel
Der Markt ist schwieriger geworden. Mehr Anbieter treffen auf begrenzte Budgets, schwankende Nachfrage und Kunden, die zwischen Coaching, Training, Mediation und Organisationsberatung kaum unterscheiden können.
Viele Menschen kommen wegen der inhaltlichen Arbeit in diesen Beruf. Sie können zuhören, Gruppen begleiten oder Konflikte klären. Kalkulation, Vertrieb, Positionierung und Kooperationsverträge haben sie dabei selten gelernt. Diese Lücke ist keine Schande. Sie erklärt jedoch, warum wirtschaftliche Unsicherheit schnell persönlich wird. Die Kollegin bekommt einen Auftrag, und im eigenen Kopf lautet die Übersetzung: „Sie ist besser. Für mich bleibt nichts übrig.“
Scham verschärft das. In einer Szene, die gern von Vertrauen und Gemeinschaft spricht, will kaum jemand zugeben, dass er neidisch ist oder Angst um seine Auslastung hat. Also wird der Kontakt höflich, aber vorsichtig. Empfehlungen bleiben aus, Ideen werden geschützt, Zusammenarbeit wird vertagt. Aus einem verständlichen Gefühl entsteht ein Arbeitsstil, der alle Beteiligten isoliert.
Fülle-Rhetorik ist noch kein Geschäftsmodell
Der Satz „Es ist genug für alle da“ beruhigt vielleicht für einen Abend. Er beantwortet keine einzige wirtschaftliche Frage. Manche Trainer konkurrieren tatsächlich um dieselben Budgets und dieselben Teilnehmenden. Zwei ähnliche Angebote am selben Ort können einander Buchungen kosten. Wer das leugnet, verlangt von Menschen, ihre reale Unsicherheit mit einer freundlichen Haltung zu überdecken.
Mangelgefühl ist allerdings auch keine verlässliche Marktanalyse. Es verändert Entscheidungen. Du hältst einen Kontakt fest, obwohl eine Kollegin fachlich besser passen würde. Du sagst bei einer Anfrage zu, obwohl Thema oder Gruppengröße außerhalb deiner Erfahrung liegen. Du redest dein Angebot größer, als es ist. Kunden erleben dann keine Sicherheit, sie erleben Ausweichen und Verkaufsdruck.
Kooperation beginnt deshalb weder mit Selbstlosigkeit noch mit positivem Denken. Sie beginnt mit einer nüchternen Frage: Welche Lösung braucht dieser Auftrag, und welchen Teil kann ich davon verantwortlich übernehmen?
Woran sich Kooperation konkret zeigt
Partnerschaft wird im Berufsalltag an beobachtbaren Handlungen sichtbar:
- Du empfiehlst eine Kollegin, wenn ihr Profil besser zum Auftrag passt, und sagst dem Kunden, warum.
- Du holst für große oder anspruchsvolle Gruppen eine Co-Leitung dazu, bevor die Überforderung im Seminar sichtbar wird.
- Du baust einen kleinen Kreis auf, in dem ihr Angebote besprecht, euch fachlich widersprecht und bei Krankheit vertreten könnt.
- Du entwickelst gemeinsame Formate nur dort, wo die Verbindung dem Kunden einen erkennbaren Nutzen bringt.
Das ist keine Garantie auf Gegenseitigkeit. Eine Empfehlung kann ohne Rückempfehlung bleiben. Ein gemeinsames Angebot kann scheitern. Professionelle Kooperation verteilt dieses Risiko nicht über gute Gefühle, sie regelt es vorher.
Vor einer Zusammenarbeit gehören mindestens Rolle, Honorar, Kundenzugang, Sichtbarkeit, Nutzung von Material und der Umgang mit Absagen auf den Tisch. Ebenso wichtig ist die fachliche Grenze. Ich empfehle niemanden aus Kollegialität, wenn ich von der Qualität nicht überzeugt bin. Und ich arbeite mit keiner Person zusammen, deren Umgang mit Gruppen ich nicht mittragen möchte.
Konkurrenz darf eine Information bleiben
Neid und Angst verschwinden nicht, weil du sie für unpassend hältst. Du kannst sie wahrnehmen und anschließend prüfen: Geht es um eine reale Überschneidung im Angebot? Fehlt mir ein klares Profil? Brauche ich bessere wirtschaftliche Planung? Oder halte ich eine Kollegin auf Abstand, weil ihr Erfolg meinen Selbstzweifel berührt?
Die Antwort kann zu mehr Kooperation führen. Sie kann genauso zu einem klaren Nein führen. Kollegialität verlangt keine gemeinsamen Projekte mit jedem Menschen, der denselben Beruf ausübt. Sie verlangt Fairness, saubere Absprachen und die Bereitschaft, den Bedarf des Kunden nicht dem eigenen Wunsch nach Auslastung unterzuordnen.
Die unangenehme Frage zum Schluss lautet: Wen könntest du heute guten Gewissens empfehlen, obwohl es dich im ersten Moment Überwindung kostet?
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Die wirtschaftliche Innenseite des Themas behandelt GFK und Geld. Wenn du selbst vor dem Einstieg stehst, beschreibt Wie werde ich GFK-Trainer? den Weg ohne Schnellversprechen, und Woran erkenne ich eine gute GFK-Ausbildung? hilft bei der Auswahl. Weshalb ein guter Workshop allein noch keine Veränderung trägt, steht in Warum Trainings verpuffen.
Markus Castro, CNVC-zertifizierter Trainer für Gewaltfreie Kommunikation, Impact Institut


