Wie formuliere ich eine Bitte in der GFK?

Wie formuliere ich eine Bitte in der GFK? (Titelbild)

Eine Bitte in der GFK ist konkret, positiv formuliert und lässt ein Nein zu. Konkret heißt: Dein Gegenüber weiß danach genau, was du dir wünschst und wann. Positiv heißt: Du sagst, was du willst, und zählst nicht auf, was aufhören soll. Und am Nein erkennst du im Nachhinein, was es war: Wenn dich das Nein ärgert, war es eine Forderung.

Die drei Merkmale, an Beispielen

Wandanker: Bitten beschreiben konkrete, realistische Handlungen

Konkret. „Sei doch mal rücksichtsvoller“ kann niemand umsetzen, selbst mit bestem Willen, weil offen bleibt, was du eigentlich meinst. „Kannst du die Musik ab 21 Uhr auf Zimmerlautstärke stellen?“ kann man umsetzen oder ablehnen, und beides bringt euch weiter als Raten.

Wandanker: sagen, was ich will

Positiv formuliert. „Hör auf, mich dauernd zu unterbrechen“ beschreibt nur, was wegsoll, und lässt offen, was stattdessen kommen darf. „Lass mich bitte ausreden, auch wenn ich einen Umweg mache“ gibt dem anderen etwas, das er tun kann. Menschen setzen leichter etwas um, als etwas zu unterlassen.

Wandanker: Bitten lassen ein Nein zu

Nein erlaubt. Der Beweis findet vor dem Gespräch statt: Frag dich, was du tust, wenn ein Nein kommt. Wenn deine ehrliche Antwort „dann werde ich sauer“ lautet, formulier noch keine Bitte. Dein Gegenüber merkt sich verkappte Forderungen, und beim nächsten „Könntest du vielleicht“ hört es die Ansage gleich mit.

Verständnis- und Verbindungsbitte

Bodenanker A4 11 Verstaendnis Bitte

In der GFK gibt es noch zwei ungewöhnliche Bitten. Die Handlungsbitte kennst du schon, die wünscht sich ein konkretes Tun: „Räumst du heute Abend noch die Küche auf?“ Die Verständnisbitte sichert erst einmal ab, dass der andere dich wirklich gehört hat: „Magst du mir sagen, was gerade bei dir ankommt?“

Bodenanker A4 12 Verbindungs Bitte

Wenn das angekommen ist, was du sagen wolltest, ist die nächste Frage eine Verbidungsbitte. „Wie geht’s dir mit dem, was du gehört hast?“ Wenn dein Gegenüber sich darüber ärgert, oder innerlich dichtmacht, dann brauchst du es nicht mit einer Handlungsbitte versuchen, sondern mit zuhören.

Ob es das alles braucht, hängt an der Temperatur des Gesprächs. Solange es kracht, führt eine Handlungsbitte selten weiter, dann ist Verbindung dran. Wenn es ruhig ist und ihr beide wisst, worum es geht, darfst du direkt um Handlung bitten. Für beide Sorten gilt: Je klarer du weißt, was du hören möchtest, umso leichter fällt dem anderen das Antworten.

Der typische Fehler: Die Bitte kommt nie

Nach dem ersten GFK-Kontakt passiert oft das: Beobachtung sauber, Gefühl benannt, Bedürfnis gefunden, und dann hört der Satz einfach auf. „Ich bin ziemlich erschöpft und brauche Entlastung.“ Pause. Dein Gegenüber hört das, wartet kurz und sagt dann so etwas wie „Okay, tut mir leid das ich so eine Belastung bin…?“, weil unklar bleibt, was er jetzt tun soll. Ohne Bitte wirkt selbst die ehrlichste Selbstauskunft schnell wie ein Vorwurf mit Fachbegriffen, denn der andere soll erraten, was gemeint ist, und Raten unter Druck macht niemand gern.

Marshall sagte dazu „Kleb deine Bitte mit Sekundenkleber ans Bedürfnis“ Die Bitte macht aus der Selbstauskunft etwas, worauf man antworten kann: „Übernimmst du heute das Abendessen, damit ich eine halbe Stunde rauskomme?“

Neulich meinte ich zu meinem 11-jährigen: „Boah was für ein Chaos, ich komm ja nichtmal von der Tür bis zu deinem Bett“ Worauf er nur trocken meinte „Da ist keine Bitte drin“, und weiter sein Pokemon Lexikon auswendig lernte. Kaum dass man ihnen was beibringt, wenden sie das gegen einen.

Wenn das Nein kommt

Ein Nein heißt erst einmal nur: nicht diese Handlung, nicht jetzt. Hinter dem Nein steht beim anderen genauso ein Bedürfnis, vielleicht Ruhe, vielleicht ein voller Kopf. Von da aus kannst du weiterfragen: „Was bräuchtest du, damit es heute noch klappt?“ Oder du passt die Strategie an: anderer Zeitpunkt, anderer Umfang, andere Person.

Und es gibt Situationen, für die Bitten nicht gedacht sind. Beim Anschnallen im Auto, bei Sicherheit, bei Abmachungen mit Konsequenzen ist eine ehrliche Ansage sauberer als eine Bitte, die keine ist: „Ich möchte, dass du dich anschnallst. Das ist nicht verhandelbar.“ Das darf sein, es ist nur keine Bitte, und wenn du es auch nicht so nennst, bleibt deine nächste echte Bitte glaubwürdig.

Bitten heißt am Ende: sichtbar machen, was du willst, und dem anderen die Wahl lassen. Das Zweite fällt fast allen schwerer als das Erste. Wie ernst du es mit der Wahl meinst, merkt dein Gegenüber am nächsten Nein.

Zum Mitnehmen

Arbeitsblatt: konkrete Bitten stellen

Das Arbeitsblatt zum Stellen konkreter Bitten als PDF. Nimm dir eine echte Situation vor und formuliere deine Bitte schriftlich, bevor du sie aussprichst.

Zum Weiterlesen

Eine gute Bitte steht selten allein. Wenn dir unklar ist, worum es dir hinter deinem Wunsch eigentlich geht, hilft der Artikel über Bedürfnisse in der GFK. Wie du das Nein deines Gegenübers hörst, ohne gleich in die Verteidigung zu gehen, steht in Wie höre ich empathisch zu? Und falls deine Bitten regelmäßig an einem vorwurfsvollen Einstieg scheitern, lohnt der Blick auf den ersten Schritt: Beobachtung ohne Bewertung.

Bitten formulieren übt sich am besten mit Gegenüber. Im kostenlosen GFK Erlebnis-Webinar (90 Minuten) kannst du das in geschütztem Rahmen tun.

Markus Castro, CNVC-zertifizierter Trainer für Gewaltfreie Kommunikation, Impact Institut

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