Autorität kann die eigene Handlungsfreiheit überraschend klein machen. Vielleicht sitzt dir eine Führungskraft gegenüber, eine Trainerin, ein Arzt oder jemand mit viel Erfahrung. Du nickst, obwohl du eine Frage hast. Oder du gehst sofort in Widerstand, weil du dich nicht klein machen lassen willst.
Respekt lässt Beziehung und Urteil zu. Angst vor Autorität verengt das Repertoire auf Unterwerfung, Vermeidung oder Rebellion.
Autorität ist eine Rolle
Eine Rolle kann mit Erfahrung, Aufgabe und Verantwortung verbunden sein. Das verdient Prüfung und manchmal Anerkennung. Es macht eine Person jedoch nicht unfehlbar und ersetzt nicht dein eigenes Denken.
Die hilfreiche Frage lautet deshalb: Worin hat diese Person tatsächlich Kompetenz? Und worauf beruht die Entscheidung, die sie gerade trifft?
Woran Angst vor Autorität sichtbar wird
Manche Menschen vermeiden den Kontakt. Andere reagieren nur noch auf mögliche Sanktionen. Wieder andere widersprechen reflexhaft, unabhängig davon, worum es geht. Alle drei Reaktionen können schützen. Sie nehmen dir aber oft die Wahl, wie du wirklich handeln willst.
Ein kurzer innerer Check kann helfen: Was ist hier meine Verantwortung? Was möchte ich verstehen? Wogegen will ich mich begrenzen? Was kann ich respektvoll und klar sagen?
Ein Satz für die Praxis
„Ich sehe deine Rolle und Erfahrung. Ich möchte trotzdem verstehen, worauf diese Entscheidung beruht.“
Der Satz ist weder unterwürfig noch abwertend. Er hält den Kontakt und holt dein Urteil zurück.
In Trainings und GFK-Gruppen ist das besonders wichtig. Trainer, Assessorinnen und Begriffe dürfen eine Orientierung geben. Sie sollten nicht an die Stelle der eigenen Wahrnehmung treten.
Wenn Macht missbraucht wird
Respekt ist keine Pflicht, Machtmissbrauch zu ertragen. Bei Einschüchterung, Abwertung, Diskriminierung oder einem Sicherheitsrisiko braucht es Schutz, Dokumentation und gegebenenfalls Unterstützung durch passende Stellen. Ein gutes Gespräch ist dann nur ein möglicher Schritt, nie die ganze Lösung.
Zum Weiterlesen passen Kritik annehmen, GFK und Klartext und Ist GFK eine Sekte?.
Über Markus Castro
Markus Castro arbeitet als Trainer für Gewaltfreie Kommunikation. Er möchte Menschen darin stärken, Erfahrung anzuerkennen und ihr eigenes Urteil trotzdem nicht abzugeben.


