Unsere Flipchart-Vorlagen decken fünf Situationen ab, die in fast jedem Seminar vorkommen: Ankommen, offene Fragen, Reflexion, Austausch in Kleingruppen und Abschluss. Du kannst die Poster abmalen, einzelne Figuren übernehmen oder nur die Aufteilung nutzen.
Warum Flipcharts statt Folien?
In unseren Trainings und Moderationen arbeiten wir oft lieber mit Papier als mit Beamer. Ein vorbereitetes Flipchart braucht vor Ort keine Technik, bleibt während des Seminartags sichtbar und zeigt der Gruppe: Dieses Blatt ist für genau diesen gemeinsamen Arbeitsschritt gedacht.
Das ist besonders hilfreich, wenn Ergebnisse später noch gebraucht werden. Eine Vereinbarung vom Vormittag kann am Nachmittag weiterhin im Raum hängen. Gleichzeitig lässt sich ein vorbereitetes Poster live ergänzen. So sehen die Teilnehmenden die vorbereitete Information und das, was in der Gruppe entsteht.
Welche Flipchart-Vorlage passt zu deinem Seminar?
Eine Flipchart Vorlage nimmt dir den ersten Strich ab. Die Entscheidung, was deine Gruppe als Nächstes tun soll, bleibt bei dir. In unserem Arbeitsbuch „Das fast perfekte Seminar“ planen wir deshalb vom Ziel her: Was sollen die Teilnehmenden am Ende können, verstanden oder ausprobiert haben? Erst danach kommen Methode, Sozialform und Material.
Für die Auswahl der Vorlage reicht eine einfache Frage:
- Sollen die Menschen im Raum ankommen und sich orientieren?
- Sollen offene Fragen und Erkenntnisse sichtbar werden?
- Sollen sie allein, zu zweit oder in Kleingruppen nachdenken?
- Sollen sie miteinander arbeiten und dafür einen klaren Zeitrahmen sehen?
- Sollen sie am Ende etwas sichern, feiern oder bedauern?
Nimm das Poster, das diese Handlung sichtbar macht. Änder Überschrift und Leitfrage, lass genug Arbeitsfläche frei und streich alles, was deine Gruppe für diesen Schritt nicht braucht.
1. Ankommen, ohne eine Vorstellungsrunde zu überladen

Die ersten Minuten sind seltsam. Teilnehmende stehen herum und wissen nicht, ob es schon losgeht. Schreib kleine, konkrete Handlungen aufs Blatt: Tee holen, Namensschild anstecken, im Handout blättern, schauen, wer noch da ist. Das erklärt leise, was gerade erlaubt ist.
Du kannst die Liste an deinen Ort anpassen. Bei einer kleinen Gruppe reicht vielleicht „Kaffee holen, Namen an die Karte schreiben, eine Frage an die Pinnwand hängen“. Bei einem mehrtägigen Seminar kann der letzte Punkt lauten: „Schau, wer heute anders sitzt als gestern.“ Wichtig ist, dass die Handlungen wirklich möglich sind. Ein Willkommensposter mit lauter Dingen, die es vor Ort gar nicht gibt, schafft sofort Misstrauen.
2. Reste von gestern, Beute für heute
Am zweiten oder dritten Seminartag lohnt sich ein Rückblick, der über „Wie geht es euch heute?“ hinausgeht. Drei Bewegungen machen ihn brauchbar: Erkenntnisse und offene Fragen sammeln, in Kleingruppen darüber reden, Fragen parken, die später beantwortet werden.
Schreib die Leitfrage so, dass sie zum Vortag passt: „Was arbeitet noch?“, „Welche Frage ist über Nacht klarer geworden?“ oder „Was möchtest du heute ausprobieren?“ Lass den Parkplatz sichtbar. Eine Frage, die dort hängt, darf nicht am Ende heimlich verschwinden. Klär vor dem Abschluss, was beantwortet wurde und was eine spätere Rückmeldung braucht.
3. Reflexion allein, zu zweit und in der Kleingruppe

Wenn die Sozialform auf dem Blatt sichtbar ist, musst du den Ablauf nicht dreimal erklären. Nachzügler orientieren sich am Bild, statt zu fragen, was gerade dran ist.
Die Reihenfolge lohnt sich, wenn persönliche Gedanken erst einmal Ruhe brauchen. Gib eine konkrete Frage und eine Zeit dazu. Zum Beispiel: zwei Minuten allein notieren, fünf Minuten zu zweit vergleichen, zehn Minuten in der Kleingruppe eine gemeinsame Beobachtung herausarbeiten. Die Zeiten gehören auf eine Karte oder in eine freie Ecke, damit du das Poster später wiederverwenden kannst.
4. Austausch in Kleingruppen

Für einen Kleingruppenauftrag braucht dein Flipchart drei Informationen: Gruppengröße, Arbeitszeit und eine Frage, die sich tatsächlich bearbeiten lässt.
„Tauscht euch über das Thema aus“ ist zu weich. Besser ist eine Aufgabe mit sichtbarem Ergebnis: „Findet zu dritt zwei Situationen, in denen die Methode hilft, und eine, in der sie an ihre Grenze kommt. Schreibt jede Situation auf eine Karte.“ Jetzt weiß die Gruppe, wann sie fertig ist und was danach ins Plenum mitkommt.
5. Ernte vom Tag

Drei Fragen reichen für einen brauchbaren Abschluss: Was gibt es zu feiern? Wie fühlst du dich, und womit hängt das zusammen? Was gibt es zu bedauern? Das ist genauer als „Wie war es?“ und breit genug, damit neben Lernerfolg auch Irritation Platz hat.
Du kannst die Fragen still beantworten lassen, Karten sammeln oder eine kurze Runde machen. Für einen sachlichen Workshop passt eine nüchternere Fassung: „Was hat funktioniert? Was ist noch unklar? Was ändern wir beim nächsten Mal?“ Die Form bleibt, die Sprache gehört deiner Gruppe.
Was du vorbereitest und was live entsteht
Eine gute Vorlage ist halb fertig. Überschrift, Figuren, Rahmen und wiederkehrende Symbole kannst du vorzeichnen. Fragen, Ergebnisse, Namen und Zeiten bleiben beweglich. Klebezettel oder Moderationskarten sind dafür oft besser als eine endgültige Beschriftung.
Für die meisten Poster reichen vier Grundelemente: ein Banner für die Überschrift, eine einfache Figur, ein Pfeil und ein Kasten. Wenn du diese Elemente ein paarmal geübt hast, kannst du die Vorlagen leichter an dein eigenes Thema anpassen, ohne die Handschrift eines anderen kopieren zu müssen.
Diese Trennung hat einen didaktischen Grund. Ein fertiges Poster zeigt Information. Eine freie Arbeitsfläche lädt die Gruppe ein, etwas damit zu tun. In „Das fast perfekte Seminar“ prüfen wir beim Feinschliff, ob der rote Faden erkennbar ist, die Einheiten aufeinander aufbauen und die gewählten Formate zu Thema, Ziel und Gruppe passen. Ein Poster darf schön sein. Entscheidend ist, ob es an dieser Stelle eine Aufgabe erfüllt.
Das Tangram-Experiment zeigt, warum eigenes Tun stärker wirkt als Zuhören und Anschauen:
Warum Visualisierung in den Info-Einheiten sinnvoll ist
Dieses Video ist bei YouTube eingebettet. Erst wenn du es lädst, werden Daten an Google/YouTube übertragen.
So passt du eine Vorlage in fünf Minuten an
- Ersetz die Überschrift durch den konkreten Zweck deiner Einheit.
- Schreib eine einzige Arbeitsfrage in gut lesbarer Größe.
- Ergänz Gruppengröße, Zeit und gewünschtes Ergebnis.
- Lass mindestens ein Drittel des Blatts für Beiträge oder Karten frei.
- Prüf aus einigen Metern Entfernung, ob Überschrift, Auftrag und Zeit sofort erkennbar sind.
Für Schriftgrößen, Markerhaltung, Farbe und Blickführung lies die ausführliche Anleitung Flipchart gestalten.
Zum Weiterlesen
Die Gestaltungsregeln hinter den Vorlagen erklärt Flipchart gestalten. Rahmen, Figuren und Gesichter zum Nachzeichnen findest du bei den Flipchart-Symbolen. Wie die Überschrift schon beim Zeichnen aussortiert, was nicht auf das Blatt gehört, siehst du in der Video-Seite Die Überschrift entscheidet. Den Aufbau einer ganzen Lerneinheit zeigt das PITT-Modell, und für die Arbeit mit Gruppen hilft Moderation lernen.
Wenn du aus einzelnen Vorlagen ein eigenes Seminarkonzept bauen willst, üben wir genau dieses Handwerk in unserer Trainer:innen-Ausbildung.
Markus Castro, CNVC-zertifizierter Trainer für Gewaltfreie Kommunikation, Impact Institut



