Wie gebe ich Feedback, ohne dass es als Angriff ankommt?

Feedback kommt ohne Angriff an, wenn du fünf Dinge in dieser Reihenfolge tust: Kläre vor dem Gespräch, was du erreichen willst. Sprich über Fakten und kennzeichne deine Interpretation als solche. Zeig deinem Gegenüber, dass du ihm eine gute Absicht zutraust. Sag konkret, was du dir stattdessen wünschst. Und stell eine Frage, die ein Nein aushält.

Nehmen wir einen konkreten Fall: Dein Kollege hat dir in der letzten Woche dreimal seine Zuarbeit erst am Abend vor der Abgabe geschickt. Du leitest das Projekt und willst das ansprechen, so, dass er danach noch gern mit dir arbeitet.

Schritt 1: Klär die Situation, bevor du ansetzt

Feedback geben beginnt vor dem Gespräch. Weißt du selbst nicht, was du erreichen willst, merkt dein Kollege das nach zwei Sätzen, und ihr verhandelt über deinen Ton statt über die Sache. Drei Fragen sortieren das: Was ist der Auslöser dafür, dass du es jetzt ansprichst? In welcher Rolle sprichst du mit ihm, als Kollegin oder als Projektleitung? Und wer ist außer dir noch betroffen? Dahinter liegt die eigentliche Entscheidung: Geht es um Verstehen, Verbindung oder Veränderung? In unserem Fall geht es um Veränderung, und die darfst du wollen. Du solltest es nur wissen, bevor du den Mund aufmachst.

Schritt 2: Sprich über Fakten, kennzeichne Interpretationen

„Deine Zuarbeit kam dreimal erst nach 20 Uhr“ kann dein Kollege überprüfen und stehen lassen. „Dir ist das Projekt egal“ ist deine Geschichte drumherum, und gegen Geschichten verteidigen sich Menschen, völlig zu Recht. Die Geschichte weglassen musst du trotzdem nicht, das hält sowieso niemand durch. Du kennzeichnest sie als deine: „Ich erinnere mich an 3x in der letzten Woche, als du… und ich hab den Eindruck, dass…“ Der zweite Halbsatz ist ehrlich als Eindruck markiert, und diese Markierung nimmt ihm die Schärfe.

Heikler wird es, wenn du das Verhalten nur vom Hörensagen kennst. Dann sag auch das: „Ich habe aus dem Team gehört, dass… und ich merke, dass ich mir die Geschichte erzähle…“ Das klingt umständlich und erspart euch das Nebengespräch, wer was hinter wessen Rücken erzählt hat.

Schritt 3: Signalisiere dein Wohlwollen

Kaum ein Kollege schickt Zahlen um 22 Uhr los, weil er das Team ärgern will. Vielleicht gibt deiner ungern etwas Halbfertiges aus der Hand. Frag dich, was die gute Absicht hinter der Handlung ist, und sprich sie an: „Ich vermute, dir war… wichtig?“ oder „Ich kann mir vorstellen, dass du gerne für… sorgen wolltest?“

Die Stolperfalle ist der Tonfall. Beide Sätze funktionieren nur, wenn du die Antwort wirklich wissen willst; mit hochgezogener Augenbraue wird aus der Vermutung eine Anklage mit Fragezeichen, und dein Kollege hört den Unterschied sofort.

Schritt 4: Formuliere klar, was du dir wünschst

Erst jetzt kommt der Teil, den viele für das ganze Feedback halten. Statt „so nicht“ brauchst du eine Antwort darauf, was stattdessen passieren soll, als konkreten Vorschlag, der für alle passen könnte: „Mir ist wichtig, dass… Deswegen würde ich lieber sehen, dass du…“ oder „Ich glaube, für’s Team wäre am besten, wenn du… statt… machen würdest.“ Für unseren Fall hieße das: „Mir ist wichtig, dass das Team mit deinen Zahlen planen kann. Deswegen würde ich lieber sehen, dass du mir mittwochs einen Zwischenstand schickst, auch wenn er noch Lücken hat.“

Wenn dir beim besten Willen kein Vorschlag einfällt, verschieb das Gespräch. Ohne Vorschlag lädst du nur ab, und dein Kollege darf raten, was dich zufriedenstellen würde.

Schritt 5: Stelle eine verbindende Frage

Der letzte Schritt entscheidet, ob die ersten vier etwas wert waren. Gib deinem Kollegen Raum, seine Sicht ehrlich zu sagen, und hör zu, auch wenn Bedenken, eine Rechtfertigung oder ein Nein kommt: „Kannst du damit was anfangen?“, „Wie geht’s dir mit meinem Vorschlag?“ oder „Kannst du das nachvollziehen? Oder wie erlebst du die Situation?“

Das schnelle Ja ist das schlechteste Ergebnis, das du bekommen kannst. Ein Ja, das nur das Gespräch beenden soll, trägt bis zur nächsten Deadline. Ein zögerndes „Ja, aber“ oder ein Nein ist unbequemer und mehr wert, denn jetzt liegt das echte Hindernis auf dem Tisch, in unserem Fall vielleicht ein zweites Projekt, das deinem Kollegen die Woche zerlegt.

Wann die fünf Schritte nicht reichen

Die Schritte setzen voraus, dass ihr grundsätzlich weiter miteinander arbeiten wollt. Wenn Angst im Spiel ist, wenn dein Chef seine Position ausspielt oder dieselbe Kollegin dieselbe Absprache zum dritten Mal bricht, hast du keine Formulierungsfrage mehr. Dann brauchst du eine Entscheidung und Rückendeckung von Vorgesetzten, HR oder Betriebsrat.

Die fünf Schritte stammen aus der Gewaltfreien Kommunikation und passen auf eine A5-Karte. Gedruckt gibt es die Karte im GFK Starterset, vier A5-Karten für 10 Euro; für dein nächstes Gespräch reicht die Bild-Version hier drunter.

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Die Feedback-Karte als Bild

Die A5-Karte mit den fünf Schritten aus diesem Artikel als Bild zum Ausdrucken. Leg sie vor dem nächsten schwierigen Gespräch neben die Tastatur und geh die Schritte einmal durch.

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Zum Weiterlesen

Wie du Fakten sauber von Deutungen trennst, vertieft die Beobachtung ohne Bewertung. Für die Schritte 4 und 5 lohnt sich Bitte formulieren, dort geht es um Wünsche, bei denen ein Nein erlaubt bleibt. Auf der Empfängerseite hilft dir Kritik annehmen, und hat sich zwischen euch mehr aufgestaut als ein einzelnes Verhalten, lies Wie spreche ich einen Konflikt im Team an?. Und weil Feedback auch aus Anerkennung besteht, findest du das Gegenstück in der wertschätzenden Kommunikation.

Markus Castro, Kommunikationstrainer (CNVC-zertifiziert), Impact Institut

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