Was sind Bedürfnisse in der Gewaltfreien Kommunikation (GFK)?

GFK: Beobachten ohne Urteil, fühlen ohne Schuld, Bedürfnisse von Strategien trennen, klare Bitten äußern. Übung macht den Meister.

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In der Gewaltfreien Kommunikation sind Bedürfnisse das, was uns im Innersten antreibt: Sicherheit, Verständnis, Nähe, Autonomie, Sinn. Sie sind universell, alle Menschen teilen sie. Verschieden sind nur die Wege, sie zu erfüllen, die sogenannten Strategien. Im Streit geht es fast immer um diese Strategien. Wer das Bedürfnis darunter erkennt und benennt, findet leichter Lösungen und muss weniger kämpfen.

Bedürfnisse treiben uns an, ob wir es merken oder nicht

Nach Marshall Rosenberg dreht sich in der GFK fast alles um Bedürfnisse. Sie sind universell: Ein Mensch in München und einer in Tokio brauchen beide Verständnis, Zugehörigkeit und ein Stück Selbstbestimmung. Was sich unterscheidet, ist der Weg dorthin.

Zu merken, was du gerade brauchst, und es dann auch auszusprechen, klingt einfacher, als es ist. Viele von uns haben über Jahre gelernt, die eigenen Bedürfnisse zu übergehen. In der GFK übst du, ihnen wieder zuzuhören und sie so zu formulieren, dass andere sie hören können.

Bedürfniskarte Gewaltfreie Kommunikation

Bedürfnis oder Strategie? Die wichtigste Unterscheidung

Die größte Stolperfalle ist, Bedürfnis und Strategie zu verwechseln. Ein Bedürfnis ist allgemein und braucht keine bestimmte Person und keine bestimmte Handlung. Eine Strategie ist der konkrete Weg, den du dir ausgesucht hast.

Ein Beispiel: „Du sollst sofort ans Telefon gehen, wenn ich anrufe“ ist eine Strategie. Das Bedürfnis darunter ist vielleicht Verlässlichkeit oder Verbindung. Sobald das klar ist, gibt es plötzlich viele Wege, dieses Bedürfnis zu erfüllen, und ihr streitet nicht mehr um den einen. Gestritten wird fast immer über das Wie. Auf der Ebene der Bedürfnisse sind sich Menschen erstaunlich oft einig.

Welche Bedürfnisse gibt es? Ein grober Überblick

Es gibt keine offizielle Liste, aber grob lassen sich Bedürfnisse in ein paar Felder sortieren:

  • Verbindung: Nähe, Zugehörigkeit, Verständnis, Gesehenwerden.
  • Autonomie: Freiheit, Selbstbestimmung, eigene Entscheidungen.
  • Körper und Sicherheit: Ruhe, Schutz, Verlässlichkeit, Gesundheit.
  • Sinn: Wirksamkeit, Beitrag, Entwicklung, Lernen.
  • Leichtigkeit: Spiel, Erholung, Freude.

Die Kunst ist nicht, möglichst viele Wörter zu kennen. Es geht darum, im konkreten Moment zu merken, welches Bedürfnis gerade laut wird. Eine Liste vor Augen hilft am Anfang, bis du die Wörter selbst parat hast.

Von Urteilen zu Bedürfnissen

Wir sind es gewohnt, in Urteilen zu denken, über andere und über uns selbst. Solche Urteile machen Gespräche schwer, dabei steckt in jedem von ihnen ein Hinweis auf ein Bedürfnis. „Der ist so rücksichtslos“ zeigt, dass dir Rücksicht wichtig ist. Wie du solche Urteile Schritt für Schritt in Bedürfnisse übersetzt, zeigt dir der Artikel zur Kopfstand-Methode.

Was sich verändert, wenn du deine Bedürfnisse kennst

Je klarer du weißt, was dir wichtig ist, desto weniger musst du kämpfen. Entscheidungen fallen leichter, Gespräche werden ehrlicher, und vieles, was früher Stress gemacht hat, lässt sich auf einmal verhandeln. Das macht dich nicht anspruchslos. Es macht dich klarer darin, wofür du einstehst.

Wenn du tiefer einsteigen willst, bekommst du bei uns eine Übersicht über Bedürfnisse zum Ausdrucken, praktisch zum Üben und als Erinnerung im Alltag.

Zum Weiterlesen

Woran du überhaupt merkst, welches Bedürfnis gerade dran ist, verrät dir dein Gefühl. Wie beides zusammenhängt, steht im Artikel über Gefühle und Bedürfnisse. Wo Bedürfnisse im Gesprächsmodell ihren Platz haben, zeigen die vier Schritte der GFK. Und wie du ein unerfülltes Bedürfnis merkst, wenn es sich als Ärger meldet, liest du im Text über Ärger in der GFK.

Markus Castro, CNVC-zertifizierter Trainer für Gewaltfreie Kommunikation, Impact Institut

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