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Wenn Einbeziehen zu Frust führt

Fortgeschrittene|Gewaltfreie Kommunikation (GFK)|SK-Prinzip

„Warum fragt ihr uns denn überhaupt, wenn ihr es am Ende doch so macht wir ihr es wollt?“

Vielleicht hast du diesen Satz schonmal gehört, von deinen Kindern oder Kollegen?

Das passiert, wenn gute Absichten nach hinten losgehen. Viele Menschen möchten heute bewusster und kooperativer führen. Sie holen Meinungen ein, fragen nach Perspektiven und wollen andere stärker beteiligen. Aber wenn Klarheit fehlt kann der Wunsch nach mehr Einbindung und Miteinander zu Frust werden.

Ein Missverständnis begegnet uns immer wieder: Mitsprache ist nicht gleich Mitentscheidung.

Mitsprache bedeutet, dass du Perspektiven einholst, zuhörst und am Ende selbst entscheidest. Mitentscheidung bedeutet, dass ihr gemeinsam zu einer Entscheidung kommt und die Verantwortung teilt. In der Praxis wird dieser Unterschied jedoch selten klar benannt. Viele sagen „Ich beziehe euch ein“ und meinen Mitsprache. Die anderen hören jedoch Mitentscheidung. Und genau in dieser Lücke entstehen Enttäuschung, Widerstand und das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.

Wenn Menschen nach Feedback gefragt werden, entsteht schnell die Erwartung, dass die Entscheidung auch in ihrem Sinne getroffen wird. Wird dann anders entschieden, fühlt es sich schnell so an, als sei die Beteiligung nur pro forma gewesen. Das heißt nicht, dass es die falsche Entscheidung war oder dass sie damit nicht leben könnten, nur dass die Kommunikation mißglückt ist.

Was hilft also?

Der erste wichtige Schritt ist also Klarheit in der Kommunikation. Es macht einen großen Unterschied, ob du von Anfang an sagst: „Ich möchte eure Perspektiven hören, die Entscheidung treffe ich anschließend alleine“ oder ob offen bleibt wie es weitergeht. Das nimmt schon enorm viel Spannung aus dem Prozess.

Genauso wichtig ist es, dass die Begründung nachvollzogen werden kann. Wenn du erklärst, nach welchen Kriterien du entschieden hast und welche Gedanken dahinterstehen, können andere deine Entscheidung besser nachvollziehe, auch wenn sie sie nicht teilen.

Und der dritte Punkt ist der Umgang mit Widerstand. Wenn du Menschen einbeziehst, geht es nicht nur darum, ihre Meinung formal abzufragen, sondern wirklich zu verstehen, was dahinter steckt. Widerstände wollen empathisch gehört und ernst genommen werden.

Die GFK bietet dafür einen wunderbaren Weg an, das empathische Zuhören. Das bedeutet, Perspektiven stehen zu lassen, nachzufragen, sich wirklich zu interessieren und nicht sofort in Rechtfertigung zu gehen. Nur dann entsteht das Gefühl, wirklich gehört zu werden.

Vor allem bei starkem Widerstand lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Gibt es einen blinden Fleck? Wurde ein Risiko übersehen? Gibt es einen Aspekt, der in der Entscheidung noch nicht ausreichend berücksichtigt wurde?
Gute Führung zeigt sich auch darin, die eigene Entscheidung in solchen Momenten zumindest noch einmal zu überprüfen. Gleichzeitig bleibt klar: Nicht jeder Widerstand führt automatisch zu einer anderen Entscheidung.

Hier ergänzt das Systemische Konsensieren ganz wunderbar, weil es einen formalisierten Weg bietet, um Entscheidungen zu treffen auch wenn nicht jeder voll an Bord ist.

Und ein letzter, oft unterschätzter Punkt: Nicht jede Situation braucht Beteiligung. Es gibt Momente, in denen klare Entscheidungen sinnvoller sind als scheinbare Mitsprache zum Beispiel bei Zeitdruck, klaren Regeln oder sicherheitsrelevanten Themen. Zu viel „Pseudo-Beteiligung“ kann mehr Vertrauen zerstören als klare Ansagen.

Am Ende geht es nicht darum, immer gemeinsam zu entscheiden sondern bewusst zu gestalten, wann Beteiligung sinnvoll ist und klar auszusprechen, wer von wem was erwartet. Meisten sorgt nicht die Entscheidung selbst für Frust, sondern das Gefühl, in etwas einbezogen worden zu sein, das gar keine echte Entscheidung war.

Wenn du lernen möchtest, Gruppen souverän zu führen, kann ich dir zwei unserer Angebote besonders ans Herz legen, unsere GFK Jahresausbildungen und das Systemische Konsensieren.

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