Wie läuft ein GFK-Seminar ab?

Ein GFK-Seminar wechselt zwischen kurzen Theorie-Einheiten am Flipchart und viel Übungszeit zu zweit oder in kleinen Gruppen. Geübt wird an Alltagssituationen, die die Teilnehmenden selbst mitbringen, und wie viel du davon erzählst, entscheidest du. Rollenspiele vor der ganzen Gruppe sind die Ausnahme, Stuhlkreis-Bekenntnisse kommen nicht vor. Die meiste Zeit sitzt du mit einer Person zusammen und probierst an einem echten Beispiel aus, wie sich anderes Sprechen anfühlt.

Was Teilnehmende vorher denken

Wir sammeln in unseren Seminaren gern zu Beginn die Hoffnungen und Befürchtungen auf Plakaten ein, still, jeder schreibt anonym. Die Befürchtungen wiederholen sich seit Jahren: „Ich will nicht vor allen über meine Ehe reden.“ „Hoffentlich wird das keine Selbsterfahrungsgruppe.“ „Was, wenn ich weinen muss?“ Wer mit solchen Sätzen anreist, ist also nicht falsch hier, er sitzt neben Leuten mit denselben Sätzen. Und die Hoffnungen daneben klingen erstaunlich konkret: mit dem Partner wieder reden können, den Teenager erreichen, im Job nicht mehr explodieren.

So sieht ein Seminartag aus

Der Rhythmus ist unspektakulär. Nach dem Ankommen gibt es einen kurzen Input am Flipchart, vielleicht fünfzehn Minuten, etwa zur Unterscheidung von Beobachtung und Bewertung. Dann kommt der eigentliche Kern, eine Übung zu zweit. Ihr bekommt zum Beispiel Karten mit Sätzen wie „Du hörst mir nie richtig zu“ und sortiert gemeinsam, was daran Beobachtung ist und was Interpretation. Oder ihr geht die vier Schritte mit Bodenankern durch, das sind Karten am Boden, die du der Reihe nach abgehst. Danach gibt es eine kurze Auswertung im Plenum, wer mag, sagt etwas, dann kommt die Pause und danach der nächste Block.

Die Gruppen sind überschaubar, und die Pausen sind lang genug, dass die eigentlichen Gespräche oft dort passieren.

Vorbereiten musst du übrigens nichts. Es gibt kein Buch, das du vorher gelesen haben musst, und keine Hausaufgabe vor dem ersten Tag. Bring eine Alltagssituation im Hinterkopf mit, die dich beschäftigt, mehr braucht es nicht.

Musst du etwas Privates erzählen?

Nein. Niemand muss in einem GFK-Seminar private Konflikte vor der Gruppe ausbreiten. Du kannst jede Übung mit einem harmlosen Beispiel bestreiten, und du kannst jederzeit sagen: „Ich hab ein Beispiel, aber ich mag es nur zu zweit besprechen, nicht im Plenum.“ Das wird respektiert, dafür sorgt die Seminarleitung.

Wer allerdings nur mit ausgedachten Beispielen übt, lernt GFK als Theorie. Der Unterschied zwischen „interessantes Modell“ und „das verändert gerade etwas“ entsteht in dem Moment, wo du einen Satz übst, der dich wirklich etwas angeht. Es darf ein kleiner sein. Der Streit um die Spülmaschine trägt als Übungsfall weiter, als man denkt.

Der größte Lernhebel sind ohnehin die unspektakulären Übungen zu zweit, die großen Aha-Momente im Plenum, auf die manche warten, bleiben die Ausnahme.

Was ein GFK-Seminar von einer Therapiegruppe unterscheidet

Der Unterschied liegt im Auftrag: In der Therapie ist deine Geschichte das Thema, im Seminar ist sie Übungsmaterial. Ein Seminar erkennst du an Struktur, Übungsaufträgen und daran, dass es ums Lernen eines Handwerks geht. Wer gerade in einer akuten Krise steckt oder eine hocheskalierte Trennung verarbeitet, ist deshalb in einer Einzelbegleitung besser aufgehoben als in einem Grundlagenseminar. Das sagen wir auch im Vorgespräch so.

Der nächste Schritt, wenn du es ausprobieren willst

Fürs erste Kennenlernen reicht ein GFK-Grundlagenseminar. Wer sich mehr Zeit nehmen will und Anspruch auf Bildungsurlaub hat: Das Seminar „GFK Tanzparkett“ läuft im November 2026 als anerkannter Bildungsurlaub über indito, anerkannt in allen Bundesländern außer Bayern (Termin und Anmeldung).

Die meisten, die zögern, zögern übrigens vor ihrer Vorstellung vom Seminar, nicht vor dem Seminar. Was von der Vorstellung übrig bleibt, entscheidet sich meist in der ersten Stunde.

Zum Ausprobieren

Bodenanker-Übung aus dem Seminar als PDF

Die Bodenanker-Übung aus diesem Artikel als PDF, in einer einfachen Variante für Einsteiger. Druck die Karten aus, leg sie auf den Boden und geh die drei Stationen (Auslöser, Gefühl, Bedürfnis) anhand der mitgelieferten Beispielsätze ab.

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Zum Weiterlesen

Wenn du vor dem Seminar erst das Modell verstehen willst: Was ist Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg? gibt den Überblick, die vier Schritte das Handwerkszeug. Und falls aus dem Seminar mehr werden soll, findest du in Was kostet eine GFK-Ausbildung? und Woran erkenne ich eine gute GFK-Ausbildung? die nüchternen Antworten auf die nächsten Fragen.

Markus Castro, CNVC-zertifizierter Trainer für Gewaltfreie Kommunikation, Impact Institut

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