Gesellschaftliche Strukturen verändern: von linearem zu zirkulärem Denken

Unser alltägliches Denken ist meist linear: Ursache und Wirkung. Etwas passiert, also suchen wir den einen Grund und wollen ihn ändern. In Wirklichkeit ist jede Ursache selbst die Wirkung einer anderen Ursache. Das kann frustrieren, weil die Kausalketten kein Ende haben. Es heißt aber auch: Du kannst auf jeder Ebene ansetzen, etwas zu verändern.

Linear oder zirkulär denken

Will ich etwas ändern, muss ich im linearen Denken den Grund finden und verändern. In der Realität ist jede Ursache selbst wiederum die Auswirkung einer anderen Ursache, die wiederum ihre eigene Vorgeschichte hat. Wenn du mit der GFK etwas verändern willst, kann genau das frustrieren, weil die Ketten nie aufhören.

Kreisläufe statt linearer Ursache-Wirkung

Ein Beispiel: auf welcher Ebene setzt du an?

Stell dir vor, in deinen Seminaren berichten Teilnehmende immer wieder von ähnlichen Konflikten am Arbeitsplatz. Die sorgen für Stress, und du erkennst, dass bessere Kommunikation hilft. Das ist die erste Ebene: Also bringst du den Leuten bei, Gefühle und Bedürfnisse zu artikulieren.

Bald stößt du auf die zweite Ebene: Unternehmenskulturen, die auf Konkurrenz statt Kollaboration setzen und die immer gleichen Konflikte erzeugen. Also richtest du deine Arbeit auf Firmentrainings aus, um einen Kulturwandel zu unterstützen.

Dann merkst du, dass viele Führungskräfte negativ auf die GFK reagieren. Die dritte Ebene: Viele wurden in einem Bildungssystem geformt, das Konformität und Wettbewerb über Kooperation stellte, in dem Fehler als Scheitern galten. Also entscheidest du dich, bei Schülern und in der Jugendbildung anzusetzen, und schulst Lehrkräfte und Erzieher, damit diese Werte schon im Klassenzimmer gelebt werden.

Auf dieser Ebene wird dann vielleicht das Schulsystem zum Problem, oder die politischen Vorgaben, oder die veralteten Studiengänge an den Universitäten. Das ist natürlich vereinfacht, aber es zeigt: Jede Position ist das Resultat vorhergehender Ereignisse. Und genau deshalb kannst du auf jeder Ebene ansetzen.

Reflexionsfragen

  • Wo möchte ich aktiv werden?
  • Welche Regeln gelten dort, und welche Ideen über das menschliche Miteinander?
  • Was wird dort von mir erwartet (mich anzupassen, einer Form zu entsprechen, einen Abschluss zu haben)?
  • Von wem wird dieser Bereich beeinflusst, und auf wen kann ich dort Einfluss nehmen?
  • Wie viel Partizipation ist dort bisher üblich?

Dank an Marshall Rosenberg, Klaus Karstädt und Miki Kashtan für die Inspirationen.

Zum Weiterlesen

Warum die innere Haltung darüber entscheidet, was deine Werkzeuge bewirken, steht im Artikel GFK: Haltung oder Methode?. Und wie du Gruppen mit den richtigen Fragen durch einen Prozess führst, zeigt der Text über Moderation.

Markus Castro, CNVC-zertifizierter Trainer für Gewaltfreie Kommunikation, Impact Institut

1 Kommentar zu „Gesellschaftliche Strukturen verändern: von linearem zu zirkulärem Denken“

  1. „Wenn du mit der GFK etwas verändern möchtest, kann das äußerst frustrierend sein, weil die Kausalketten kein Ende haben.“

    Danke! Für diesen Satz und die Beispiele danach. An diesem Punkt befinde ich mich gerade und suche nach dem (für mich) richtigen Umgang damit. Eine Lösung habe ich noch nicht, aber dass es anderen möglicherweise auch so geht, ist beruhigend.

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