Gesellschaftliche Strukturen

Fortgeschrittene|Gewaltfreie Kommunikation (GFK)

Sozialer Wandel und Zirkuläres Denken

Unser alltägliches Denken ist überwiegend linear geprägt – Ursache Wirkung. Etwas das passiert hat einen Auslöser, einen Grund. Will ich etwas ändern, muss ich den Grund dafür finden und verändern. In Realität ist es so, dass jede Ursache selbst wiederum die Auswirkung einer anderen Ursache ist, die wiederum…

Wenn du mit der GFK etwas verändern möchtest, kann das äußerst frustrierend sein, weil die Kausalketten kein Ende haben. Ein konkretes Beispiel:

Stell dir vor, in deinen Seminaren berichten Teilnehmende immer wieder von ähnlichen Konflikten am Arbeitsplatz. Diese Konflikte sorgen für Stress, und du erkennst natürlich, dass effektivere Kommunikation helfen kann. Das ist die erste Ebene.
Deine Teilnehmenden haben vielleicht nie gelernt, ihre Bedürfnisse und Gefühle angemessen zu artikulieren. Also richtest du deine Seminare darauf aus, ihnen das beizubringen.

Relativ bald stößt du auf die zweite Ebene: weit verbreitete Unternehmenskulturen, die auf Konkurrenz statt Kollaboration basieren. Das führt zu den immer gleichen Konflikten und du beschließt, dass du direkt hier ansetzen möchtest.
Du richtest deine Seminare künftig auf Firmentrainings aus, um einen Kulturwandel zu unterstützen, in dem der einzelne nicht permanent im Stress ist.

Dann merkst du, dass viele Führungskräfte sehr negativ auf die GFK reagieren. Hier kommt die dritte Ebene: Viele von ihnen wurden in einem Bildungssystem geformt, das Konformität und Wettbewerb über persönliche Entwicklung und Kooperation stellte. Sie lernten, dass Fehler nicht Chancen zum Lernen, sondern Zeichen des Scheiterns sind. Diese Prägung macht sie in deinen Seminaren zu einer Herausforderung, denn ihre tief verwurzelten Verhaltensweisen sind schwer zu verändern.

Also entscheidest du dich, bei Schülern und in der Jugendbildung anzusetzen. Du entwickelst Programme, die Lehrkräfte und Erzieher in GFK schulen, um eine neue Generation von Führungskräften zu kultivieren, die mit emotionaler Intelligenz, Kooperationsfähigkeit und einem tieferen Verständnis für menschliche Bedürfnisse ausgestattet sind. Du arbeitest daran, dass diese Werte bereits im Klassenzimmer gelebt und gefördert werden, sodass die zukünftigen Führungskräfte mit einem ganz anderen Set an Werkzeugen in die Arbeitswelt eintreten – Werkzeuge, die ihnen helfen, Konflikte konstruktiv zu lösen und ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das auf gegenseitigem Respekt und Verständnis basiert.

Auf dieser Ebene wird dann vielleicht das Schulsystem zum Problem, oder die Politischen Vorgaben, oder die veralteten Studiengänge an Universitäten…

Das ist natürlich vereinfacht, aber es zeigt, dass jede Position das Resultat aus vorhergehenden Ereignissen ist. Das bedeutet aber auch, dass du auf jeder Ebene ansetzen kannst, etwas zu verändern.

Reflexionsfragen

  • Wo möchte ich aktiv werden?
  • Welche Regeln gelten dort?
  • Welche Ideen über das menschliche Miteinander?
  • Was wird dort von mir erwartet? (z.b. mich anzupassen, einer bestimmten Form zu entsprechen, einen Abschluss zu haben, …)
  • Von wem wird dieser Bereich beeinflusst?
  • Auf wen kann ich dort Einfluss nehmen?
  • Wieviel Partizipation ist dort bisher angesagt?

Dank an Marshall Rosenberg, Klaus Karstädt und Miki Kashtan für die Inspirationen

2 Gedanken zu „Gesellschaftliche Strukturen“

  1. Hi Markus,
    sehr komplexes Thema in knapp 9.000 Zeichen: gefällt mir gut!

    An der Gliederung (Machtstrukturen im Wandel/lebensdienliche Systeme/Deine Prägung/Soz. Wandel/Zirkuläres Denken) kann ich mich gut orientieren, ohne mich allzusehr geführt (gegängelt ) zu erleben…;-)

    Den Sprung vom erklärenden in die 1. Reflexion „Deine Prägung“ empfinde ich als etwas abrupt, vllt. könnte hier ein erklärender/einladender Untersatz helfen.

    Ein solcher Untersatz könnte auch beim Einstieg in die 2. Reflexion (Wo möchte ich aktiv werden etc.) hilfreich sein.

    Womit ich mittendrin bin in einer Reflexion meiner Tage bis meines Daseins überhaupt, und auch ein Stück weit im Feiern dessen, was ich bereits getan habe und auch noch weiter tun werde.

    Mit besten Grüßen
    S.

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  2. „Wenn du mit der GFK etwas verändern möchtest, kann das äußerst frustrierend sein, weil die Kausalketten kein Ende haben.“

    Danke! Für diesen Satz und die Beispiele danach. An diesem Punkt befinde ich mich gerade und suche nach dem (für mich) richtigen Umgang damit. Eine Lösung habe ich noch nicht, aber dass es anderen möglicherweise auch so geht, ist beruhigend.

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